03. Dez 2019 | Aktuelles » Sportpolitik

Kinderschutz im Sport ist nicht verhandelbar

Zum Safe Sport Forum der Deutschen Sportjugend vom 29.-30.11.2019 in Bad Blankenburg schickte die DTU-Jugend drei Delegierte – Jessica König, Stev Brauner und Paul Heinrich.

Den Auftakt am Freitagnachmittag machte ein Einstiegsworkshop rund um das Thema „Aufgaben von Ansprechpersonen zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt (PSG) im Sport“.

Beginnend mit einer Zusammenfassung der Ereignisse im Bundesgebiet seit 2010 und dem ersten Bekanntwerden systematischen Missbrauchs Schutzbefohlene*r in Institutionen wurde schnell der Bogen zu sport-spezifischen Themenfeldern geschlagen.  Der Unterschied zwischen den Richtlinien im Leistungs- beziehungsweise Breitensport im Rahmen der PSG war nur ein wichtiger Punkt. Prävention wurde ebenso thematisiert wie Strukturen, die grenzverletzendes Verhalten begünstigen.

Obwohl Möglichkeiten zur Umsetzung der entsprechenden Richtlinien besprochen wurden, stellte sich doch schnell heraus, dass es zur einheitlichen Bearbeitung des Themenfeldes in den einzelnen Mitgliedsorganisationen noch große Differenzen gibt. Seien es personelle und finanzielle Ressourcen, fehlende Weiterbildungen sowie Supervisionen oder nur unzureichende Risikoeinschätzungen. Durchbrochen von spannenden Visualisierungen und interessanten Methodenbeispielen verflog der Nachmittag.

Angeregte Diskussionen entsponnen sich beim Abendbrot. Thematisch wurden diese durch die bunte Mischung von Anwesenden begünstigt: Ehrenamtler*innen, Hauptamtler*innen, erfahrenen Ansprechpersonen, sowie neue Interessent*innen fanden sich in immer neuen Konstellationen für den Erfahrungsaustausch zusammen.

Der Samstagmorgen begann für einige Frühaufsteher*innen mit einem Tai-Chi Kurs, angeleitet von einem Thüringer-Original einschließlich Akzent. Dies tat dem körperlichen Aufwachen in geistiger Ruhe aber keinerlei Abbruch.

Nun in der Aula versammelt durfte einem spannenden Begrüßungstalk mit hochrangigen Referent*innen gelauscht werden. Gabi Ohler (Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Sport in Thüringen), Jan Holze (1. Vorsitzender der dsj und DOSB-Präsidiumsmitglied), Matthias Stein (Präsident des Landestauchsportverband Thüringen) und Lisa Kalkofe (Geschäftsbereichsleiterin und Referentin für Frauen, Gleichstellung und Inklusive im Landessportbund Thüringen) stellten ihre eigenen Arbeiten vor und diskutierten Verbesserungsmöglichkeiten.

Forum Safe-Sport

Es müsse eine Atmosphäre des Hinsehens und des Aufpassens geschaffen werden. Eine offene Kommunikation in den Verbänden und Vereinen müsse von allen Beteiligten gelebt werden. Hier sind Sportler*innen, ebenso wie Eltern, wie der Trainerstab angesprochen. In der Außenwahrnehmung müsse deutlich werden: Wir stehen für sicheren Sport.

Verbesserungsbedarf wurde vor allem Seitens der politischen Unterstützung genannt. Darüber hinaus liegt eine gewichtige Rolle in den einzelnen Präsidien und Vorständen – das Themenfeld Prävention grenzverletzenden Verhaltens im Sport muss den Ruf als „Schmuddelthema“ in den Sitzungen los werden.

Es folgte eine spannende Präsentation zum „VOICE“-Projekt. Diese europäische, multizentrische Interview-Studie mit Betroffenen wurde unter anderem von Frau Prof. Dr. Bettina Rulofs ausgewertet. Hieraus entstand ein Best Practice-Guide mit 10 Inhaltsschwerpunkten. Einige Punkte umfassen unter anderem den Umgang mit Verdachtsfällen, die Betreuung von sowie nachhaltige Zusammenarbeit mit Betroffenen.

Den Abschluss des Vormittages bildete das Beispiel der positiven Zusammenarbeit zwischen dem Landessportbund Thüringen und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz in Thüringen.

Das Fazit zum Vormittag: Es wird schon viel getan. Und Es gibt noch viel Luft nach oben.

Nach einem Mittag (mit nicht ausreichend vegetarischen Optionen) konnten vier Workshops besucht werden. Für jede Zielgruppe war etwas dabei: Neuen Ansprechpersonen wurden Leitfäden und Handlungsmöglichkeiten an die Hand gegeben; Experten sprachen über Umgang mit grenzverletzendem Verhalten zwischen Kindern und Jugendlichen; wie kann unser Wissen im Umgang dieses Themenfeldes auf die sichere Arbeit mit jungen Erwachsenen ausgeweitet werden?

Nach zwei intensiven Tagen verließen die Teilnehmenden mit einem Rucksack voller Informationen, Flyern, Dokumenten und Ansprechpartner*innen zur funktionierenden Netzwerkarbeit im Rahmen der Prävention von Gewalt im Sport das wunderschöne Tagungszentrum in Bad Blankenburg.

Vielen Dank an alle im Organisationsteam des DOSB und der DSJ.

v.l.n.r.: Stev Brauner, Jessica König, Paul Heinrich